Handeln gegen Trägheit - Ein Therapiemanual für Gesundheit durch Aktivität

Termin: 04.08.2018 - 05.08.2018
Seminar-Nr.: 82
Zeiten: Samstag: 10:00 - 17:30 Uhr
Sonntag: 9:00 - 16:30 Uhr
Ort: Hamburg, imPuls Stellwerk
Norderreihe 63
22767 Hamburg
Fachbereiche: Psychiatrie

Kursleitung

Andreas Pfeiffer
Ergotherapeut in der Psychiatrie seit 1992, seit 2000 beschäftigt am LVR-Klinikum Düsseldorf, Kliniken der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Neben der stellvertretenden Abteilungsleitung ist er auf einer offenen allgemeinpsychiatrischen Akutstation und in einem zentralen Ergotherapie-Bereich mit dem Medium Computer eingesetzt. Seit 1992 regelmäßige Seminare, Vorträge und Vorlesungen, sowie Unterricht zu verschiedenen Themen der psychiatrischen Ergotherapie. Mitarbeit an mehreren psychiatrischen Leitlinien.

Fortbildung für Ergotherapeuten und alle Interessierten, die in der Psychiatrie arbeiten 

Seminarbeschreibung: 

Alle im Bereich psychiatrischer Gesundheit Tätigen kennen die Situation, dass ihre Klienten infolge schwerer psychiatrischer Erkrankungen sich häufig schwer tun persönliche Ziele zu formulieren. Entsprechend kommt es immer wieder zu dem Eindruck die Klienten seien nicht motiviert; sie wollten ihr Verhalten nicht ändern; sie können keine Pläne oder Empfehlungen umsetzen und wirken dadurch auf andere abgestumpft. 

In der Zusammenarbeit mit diesen Menschen zeigt es sich immer wieder, wie schwer es ist, sie aus dieser häufig schon lange bestehenden Trägheit herauszuholen. Entweder wird die psychische Krankheit oder die Person selbst für diese Trägheit verantwortlich gemacht. In beiden Fällen bleibt das Gefühl von Machtlosigkeit und Frustration zurück.

Inzwischen ist jedoch bekannt, dass es nicht notwendig oder akzeptabel ist, die Trägheit einer Person als etwas Unveränderliches oder als "behandlungsresistent" anzusehen. Von daher stellt sich die Frage, wie es möglich wird, Passivität und Betätigungseinseitigkeit zu reduzieren und gesundheitsfördernde Aktivitäten aufzubauen?

2010 veröffentlichte Terry Krupa gemeinsam mit acht Kolleginnen in Kanada die englischsprachige Intervention Action over inertia (Handeln gegen Trägheit). Die Autoren, sowohl in der Lehre, als auch als praktizierende Ergotherapeuten in verschiedenen psychiatrischen Arbeitsfeldern, entwickelten damit die erste manualisierte ergotherapeutische Intervention für die psychiatrische Ergotherapie und erprobten diese im Rahmen einer Pilotstudie. 

Waren zu Beginn Menschen mit einer schweren psychischen Erkrankung die Zielgruppe, wird das Programm heute in Kanada bereits mit Schmerzpatienten; Soldaten, die aus Kriegseinsätzen heimkehren; Menschen, die aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand wechseln und Menschen mit kognitiven Einschränkungen eingesetzt. 

Um was geht es?
Das Programm richtet sich an Menschen deren Betätigungsbalance, beispielsweise aufgrund einer schweren psychiatrischen Erkrankung, ein Ungleichgewicht aufweist. Häufig sind Passivität, sozialer Rückzug, Bewegungsmangel, Teilhabeeinschränkungen oder Betätigungseinseitigkeit die Folge.

Mit Unterstützung der Ergotherapeutin sollen sie durch einen strukturierten Therapieprozess ihre Aktivitätsmuster so verändern, dass sich die Betätigungsbalance, Wohlbefinden und Teilhabe trotz krankheitsbedingter Einschränkungen verbessern. Das Programm folgt damit auch aktuellen recoveryorientierten Ansätzen. Das Manual stellt dafür umfangreiche Hilfsmittel für die Therapie zur Verfügung, unterstützt die Strukturierung des therapeutischen Prozesses und die Zusammenarbeit. 

Handeln
gegen Trägheit baut auf dem Canadian Model of Occupational Performance and Engagement (CMOP-E) auf, hat eine starke Klientenzentrierung und eine durchgängige Alltagsorientierung. Der Referent hat das Manual komplett ins Deutsche übersetzt, kulturell angepasst und Rahmen einer Pilotstudie dessen Anwendbarkeit überprüft. 

Das Therapieprogramm
lässt sich aufgrund der Struktur und der Ressourcenorientierung sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich anbieten. Die Durchführung als Einzeltherapie ist sinnvoll, eine Anpassung an die eigenen Rahmenbedingungen ist jedoch möglich. Es erfordert keine besonderen Rahmenbedingungen und kann überall eingesetzt werden, wo mit (chronisch) psychisch kranken Menschen gearbeitet wird.


(UE/FP: 16) 

Seminarschwerpunkte:

  • Theoretischen Grundlagen zum Therapieprogramm
  • Anhand von Fallbeispielen wird der Einsatz der Therapiematerialien vorgestellt und von den Teilnehmern in Gruppenarbeiten praktisch vertieft
  • Ergänzend werden die Erfahrungen in der praktischen Anwendung aus Sicht des Referenten und der Patienten berichtet.

Investition: 300 €

Auf dem Weltkongress der Psychiatrie in Berlin wurde das Therapieprogramm „Handeln gegen Trägheit“, die dazugehörige Pilotstudie und unser Schulungskonzept mit dem „Preis für Pflege- und Gesundheitsfachberufe in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik 2017“ der „Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)“ ausgezeichnet.

Weiterführende Literatur:

  • Pfeiffer, A. & Höhl, W. (2017). Handeln gegen Trägheit: Therapieprogramm auf der Grundlage von Aktivitäts- und Gesundheitsbedürfnissen schwer psychisch erkrankter Menschen. Schulz-Kirchner-Verlag. Idstein
  • Edgelow, M. & Krupa, T. (2011). Randomized controlled pilot study of an occupational time-use intervention for people with serious mental illness. Am J Occup Ther. 2011 May-Jun;65(3):267-76. PubMed PMID: 21675332.
  • Krupa, T. (2010). Action Over Inertia: Addressing the Activity-health Needs of Individuals with Serious Mental Illness. CAOT Publications ACE.
  • Pfeiffer, A. (2017). Veränderungsimpulse setzen - Handeln gegen Trägheit. Ergotherapie und Rehabilitation, 56 (5)






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